Schachboxen – Königsdisziplin des Kampfsports

Der Gründer der ungewöhnlichen Kombination aus Denksport und Kampfsport Iepe Rubingh hat große Pläne: Neben einer Werbetour durch Russland soll Schachboxen eines Tages olympisch werden.

20140511-205609.jpgWie die russsichen Schach-Giganten Garri Kasparow und Anatoli Karpow wohl bei einem Schachbox Wettbewerb abschneiden würden? Vier Minuten Schach, dann zwei Minuten Boxen – und das limitiert auf elf Runden: Das ist das reglementarische Grundgerüst einer der ungewöhnlichsten Sportarten der Welt.

Beim Schachboxen prallen zwei Welten aus dem Sportuniversum aufeinander, die unvereinbar scheinen: Die Nummer eins im Denksport wird mit der Nummer eins im Kampfsport kombiniert. Nach maximal elf Runden muss der Sieger feststehen – außer es gibt vorher ein Schachmatt oder einen K.o.-Schlag.

„Es geht hier um Disziplin und Kontrolle über Körper und Geist“, sagte der Gründer des Schachboxens, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Holländer richtete 2003 den ersten Klub in Berlin ein und gründete die World Chess Boxing Organisation (WCBO) und den Berliner Schachbox-Verein CBCB.

Von Science Fiction zur Wirklichkeit

Die Idee des Schachboxens stammt aus einer Science Fiction-Novelle: Rubingh stolperte über die Arbeit des Zeichners Enki Bilal, der 1992 in seinem Roman „Froid Equateur“ seine Hauptfigur am Schachboxen teilnehmen lässt.

Der Sport breitete sich über Deutschland nach Russland, die USA, England und Australien aus. Bisher gab es nur Wettbewerbe für Männer, aber auch eine kleine Anzahl von Frauen trainiert schon in den Klubs.

„Russland wacht jetzt auf“

Obwohl man den Hauptsponsor wegen der Wirtschaftskrise verloren hat, befindet sich Schachboxen weiter auf Expansionskurs. Unter anderem ist eine Tour durch Russland geplant. Dafür werden hier immer noch interessierte Teilnehmer gesucht. Die Anforderungen sind: Alter unter 35, ELO-Zahl über 1800 sowie Boxerfahrung. „Russland ist die Schachboxnation und wacht jetzt auf“, sagte Rubingh gegenüber Reuters.

Doch der Schachbox-Gründer denkt schon in noch größeren Dimensionen: Er plant eine inoffizielle Demonstration des Sports während der Olympischen Spiele 2012 in London. „Unsere Vision ist es, es eines Tages zu den Olympischen Spielen zu schaffen. Ich glaube, es würde die Königsdisziplin für den ultimativen Sportler.“